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Was ist eine Zugentlastung? So befestigen Sie ein Kabel richtig

Was ist eine Zugentlastung und warum braucht jedes Kabel sie? Lesen Sie, wie die Zugentlastung im Schaltschrank, an der Kabeldurchführung und in der Energieführungskette funktioniert und was die EN 62444 fordert.

Olaf OttenInside Sales

21. Okt. 2026 · 8 Min. Lesezeit

Kurze Antwort

Zugentlastung bedeutet, ein Kabel vor dem Anschluss zu befestigen, damit Zug, Gewicht und Vibrationen auf die Befestigung wirken und nicht auf die Klemmen oder den Stecker. Im Schaltschrank geschieht das mit Zugentlastungsmodulen, Kabelkämmen oder EMV-Schellen, in der Energieführungskette mit Klemmen an beiden Enden.

Was ist eine Zugentlastung? So befestigen Sie ein Kabel richtig

Zugentlastung bedeutet, ein Kabel vor der Stelle zu befestigen, an der es angeschlossen wird. Zug, Gewicht und Vibrationen des Kabels landen dann auf der Befestigung und nicht auf der Klemmleiste, dem Stecker oder der Lötstelle. Ohne Zugentlastung hängt das Kabel gewissermaßen an seinem eigenen Anschluss, und dafür ist dieser nicht gemacht.

Es klingt nach einem Detail, ist aber eine häufige Ursache für schwer auffindbare Störungen: eine Ader, die gerade so locker sitzt, ein Stecker, der ab und zu den Kontakt verliert, oder ein Kabel, das in einer Energieführungskette langsam wandert, bis es bricht. In diesem Artikel lesen Sie, was eine Zugentlastung bewirkt, wo Sie sie brauchen und wie Sie sie richtig ausführen.

Was genau bewirkt eine Zugentlastung?

Ein Kabel steht fast immer unter etwas Spannung. Es hängt an seinem eigenen Gewicht, wird von einem bewegten Maschinenteil mitgezogen oder vibriert mit der Maschine. All diese Kräfte müssen irgendwohin.

Die Zugentlastung fängt diese Kräfte an einem festen Punkt auf, ein Stück vor dem Anschluss. Dadurch:

  • kommt kein Zug auf die Adern und Klemmen
  • vibrieren Verbindungen nicht los
  • rutscht das Kabel nicht hin und her
  • bleibt der Mantel dort intakt, wo das Kabel in den Schrank oder die Maschine eintritt

Das Wort sagt es eigentlich schon: Sie entlasten den Anschluss von Zug.

Wo brauchen Sie eine Zugentlastung?

Es gibt drei Stellen, an denen die Zugentlastung oft den Unterschied macht:

  1. (01)Im Schaltschrank: Kabel, die von unten oder oben eintreten, hängen mit ihrem Gewicht an den Klemmen, wenn sie nicht befestigt sind.
  2. (02)An der Kabeldurchführung: Wo das Kabel durch die Schrankwand geht, darf es sich nicht hin und her bewegen können. Viele Durchführungen bieten deshalb selbst schon eine Zugentlastung.
  3. (03)In und an der Energieführungskette: Kabel in einer bewegten Kette müssen an beiden Enden befestigt sein, sonst wandern sie bei jeder Bewegung ein Stück.

Im Folgenden gehen wir sie einzeln durch.

Zugentlastung im Schaltschrank

Im Schrank befestigen Sie Kabel auf einer Schiene, einer Montageplatte oder in einem Modul. Gängige Lösungen:

  • Zugentlastungsmodule: Die Kabel werden in das Modul gelegt und mit Kabelbindern befestigt. Es gibt auch kabelbinderlose Module und Module, die das Kabel verriegeln.
  • Kabelkämme mit Buchsen: Ein Kamm mit Messing- oder Aluminiumbuchsen sorgt für eine feste Befestigung und hält die Kabel gruppenweise ordentlich nebeneinander.
  • EMV-Schellen: für geschirmte Kabel. Die Schelle drückt den Schirm gegen eine Erdungsschiene oder Hutschiene und befestigt das Kabel zugleich mit Kabelbindern.

Die Module und Kämme in unserem Sortiment bestehen aus PA66 und helfen, die Anforderungen an die Zugentlastung aus der EN 62444 zu erfüllen. Eine Übersicht finden Sie unter Zugentlastung.

Ein zusätzlicher Vorteil: Mit Zugentlastung liegen die Kabel gruppenweise ordentlich nebeneinander. Die Fehlersuche geht schneller und ein Kabel nachzulegen ist einfacher.

Zugentlastung und EMV: zwei Funktionen in einer Schelle

Geschirmte Kabel wie Motor- und Encoderkabel müssen mit ihrem Schirm über den vollen Umfang geerdet werden. Das geschieht mit einer EMV-Schelle. Die meisten EMV-Schellen befestigen das Kabel dabei auch mechanisch mit einem oder zwei Kabelbindern und bieten damit zugleich eine Zugentlastung.

Achten Sie auf die Reihenfolge: zuerst das Kabel befestigen, dann anschließen. Mehr zur Wahl der Schelle unter EMV-Schellen und zur Schirmung in der Energieführungskette unter geschirmtes Kabel in der Energieführungskette.

Zugentlastung an der Kabeldurchführung

Ein Kabel, das durch die Schrankwand geht, möchten Sie an dieser Stelle abdichten und befestigen. Viele Kabeldurchführungen kombinieren diese beiden Funktionen:

  • Durchführungsplatten mit Membranen: Das Kabel wird durch eine Membran gedrückt, eine zweite Membran sorgt für zusätzliche Zugentlastung.
  • Teilbare Rahmen: Der Verschluss des Rahmens klemmt die Tüllen um das Kabel und sorgt so für Zugentlastung, auch bei Kabeln mit Stecker.

Welche Durchführung zu Ihren Kabeln passt, lesen Sie unter Kabeldurchführung wählen. Im Durchführungsplaner stellen Sie Ihre Kabel zusammen und sehen, welche Lösung passt.

Selbst berechnenKabeldurchführungs-PlanerVon der Leitungsliste zur Durchführung mit ArtikelnummernPlaner öffnen

Zugentlastung in der Energieführungskette

In einer Energieführungskette liegen die Kabel lose, mit Platz um sich herum. Das ist gewollt: So können sie sich bei jeder Bewegung frei mitbiegen. An den Enden, am Festpunkt und am Mitnehmer, müssen sie dagegen fest sein. Das übernimmt die Zugentlastung: Klemmen oder Bügel an der Endbefestigung.

Ohne Zugentlastung geht es so schief:

  • Das Kabel wandert bei jedem Hub ein Stück.
  • Es zieht sich im Bogen straff oder staut sich an den Enden.
  • Es beginnt sich in der Kette zu verdrehen und bricht schließlich.

Befestigen Sie die Kabel deshalb an beiden Seiten, außerhalb des Bogens. Klemmen Sie sie fest, ohne sie abzuquetschen: Eine Klemme, die den Mantel eindrückt, verlagert den Schaden nur an eine andere Stelle. Weitere Tipps unter eine Energieführungskette montieren.

Liegen Ihre Kabel bereits verdreht oder gestaut in der Kette? Im Störungsratgeber lesen Sie Schritt für Schritt, wie Sie das beheben: Kabel verdrehen sich in der Kette.

StörungsratgeberLeitungen verdrehen sich in der KetteLeitungen, die sich spiralförmig legen oder aus der Kette wandern.Zur Lösung

Was sagt die EN 62444?

Die EN 62444 ist die Norm für Kabelverschraubungen und Kabeleinführungen in elektrischen Installationen. Sie stellt unter anderem Anforderungen an die Zugentlastung von Kabeln. Die Zugentlastungsmodule, Kabelkämme und EMV-Schellen in unserem Sortiment sind dafür ausgelegt, diese zu erfüllen. Welche Anforderungen für Ihre Installation gelten, hängt von der Anwendung ab; das steht in der Norm selbst und in der Dokumentation Ihrer Maschine.

Häufige Fehler

  • Kabel nur an der Klemmleiste hängen lassen
  • Kabelbinder so fest anziehen, dass der Mantel eingedrückt wird
  • In der Energieführungskette nur an einer Seite befestigen
  • Das Kabel im Bogen der Kette befestigen statt an der Endbefestigung
  • Geschirmte Kabel befestigen, ohne den Schirm zu erden

Zugentlastung komplett erledigen lassen

Auf Wunsch liefern wir Energieführungsketten komplett: auf Länge, mit Ihren Kabeln befüllt und mit Zugentlastung und Endbefestigungen montiert. Im Energieketten-Konfigurator geben Sie Ihr Kabelpaket ein; ein Spezialist prüft die Belegung kostenlos. Fehlt an einer vorhandenen Kette eine Klemme, finden Sie einzelne Zugentlastungen unter Ersatzteile für Energieführungsketten. Lieber direkt einen Vorschlag? Fordern Sie ein Angebot an.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Zugentlastung?

Die Befestigung eines Kabels vor dem Anschluss, damit Zug, Gewicht und Vibrationen auf die Befestigung wirken und nicht auf die Klemmen oder den Stecker.

Warum ist eine Zugentlastung nötig?

Ohne Zugentlastung wirken Zug, Gewicht und Vibrationen direkt auf den Anschluss. Das führt zu lockeren Verbindungen und Störungen. In einer Energieführungskette beginnen Kabel ohne Zugentlastung zu rutschen und sich zu verdrehen, und sie brechen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Zugentlastung und einer EMV-Schelle?

Die Zugentlastung befestigt das Kabel mechanisch. Eine EMV-Schelle erdet den Schirm eines Kabels. Die meisten EMV-Schellen machen beides, weil sie das Kabel mit Kabelbindern befestigen.

Wo sitzt die Zugentlastung in einer Energieführungskette?

An beiden Enden, am Festpunkt und am Mitnehmer, außerhalb des Bogens. In der Kette selbst liegen die Kabel lose.

Bietet eine Kabeldurchführung auch Zugentlastung?

Oft ja. Teilbare Rahmen und Durchführungsplatten mit einer zweiten Membran klemmen das Kabel beim Durchführen und sorgen so für Zugentlastung.

Nächster Schritt

Rechnen Sie selbst oder sehen Sie sich das Sortiment an. Wir prüfen Ihr Ergebnis kostenlos.

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